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Warum in die Ferne schweifen...

Jungs
Es muss nicht immer die große Reise in die Ferne sein, auch das Egertal - gleich hinter dem Erzgebirgskamm - bietet überraschende Erlebnisse. Von einer „Abenteuerreise“ mit meinem Enkel und unserem Nachbarn samt Sohn möchte ich hier berichten. Es soll eine Empfehlung sein für alle, die etwas Uriges und leicht Abenteuerliches mögen.

Burg Loket
Vorbei an der Burg des Städtchens Loket

Flusslandschaft
Startpunkt war das herrliche Städtchen Loket (Ellbogen). Schon Goethe hielt sich hier mit Vorliebe auf, es hat seitdem von seinen Reizen nichts eingebüßt. So empfiehlt es sich, den Anreisetag hier zu verbringen und erst am Folgetag mit dem Boot zu starten. Die Bootsausleihstation befindet sich kurz unterhalb von Loket. Man erhält einen Zweierkanadier aus festem Kunststoff für 10 € pro Tag, dazu auch Rettungswesten, wasserdichte Behälter usw.

Mein Enkel und ich
Mein Enkel und ich
Die Eger (Ohre) ist ein sehr abwechslungsreicher Fluss, meist zügig, seltener gemächlich dahinfließend. Wir fuhren bei relativ hohem Wasserstand, was den Reiz der häufigen Schwallstrecken und teilweise abenteuerlichen Stufen deutlich erhöhte. Die Fahrt ist aber nicht gefährlich, wenn man der Aufforderung folgt, die 3 Wehre umzutragen. Wegen der im Wasser liegenden Steinbrocken erfordert sie aber ständige Aufmerksamkeit. Die festen Boote vertragen zwar ein Schürfen problemlos, wer aber mit Schwung auf einen solchen Stein dicht unter der Wasseroberfläche fährt, kann angehoben werden und kentern.
Zunächst durchquert der Fluss die steil aufragenden Berge des Kaiserwaldes. Vorbei an schroffen Felswänden erreicht man schließlich Karlsbad. Hier sind 2 Wehre umzutragen, vor denen deutlich gewarnt wird. Wer will, kann hier einen Abstecher zur nahen Kurpromenade machen (der Bootsverleih hat hier einen „Ableger“).
Hinter Karlsbad fließt die Eger durch ein sanftes Hügelland und erreicht schließlich Hubertus. Hier empfiehlt sich eine Übernachtung, entweder auf dem Zeltplatz oder in der gegenüberliegenden Pension (15 €). Bei Hubertus passiert der Fluss eine Engstelle, die auch von den Wildwasserkanuten zum Training benutzt wird. Sie ist im Grunde ungefährlich, aber man sollte sie nur mit Badehose und Schwimmweste durchfahren. Wir erlebten in kurzer Zeit, wie 2 Kanus kippten und zwei Leute aus einem großen Raftingboot geschleudert wurden. Aber auch ohne derartige Panne ist man nach dem Durchfahren pudelnass, so dass ein Bad im Fluss auch gerne freiwillig genossen wird. Wer will, kann natürlich auch umtragen, das hätte mir mein Enkel aber nie verziehen!

Egerbogen
Der Egerbogen bei Loket

Am Lagerfeuer
Am 2. Tag bummelten wir gemütlich flussab. Hilfsbereite Tschechen lernten uns, wie man das Paddel nur auf einer Seite benutzt und trotzdem das Boot in der Spur hält. Beim Angeln hatten wir weniger Glück, aber es machte trotzdem Spaß. Eigentlich planten wir die Übernachtung auf dem Zeltplatz von Vojkovice, aber die Kinder hatten sich mit tschechischen Jungs angefreundet und die gingen halt schon in Radosov an Land.. Herrlich, wie sich Kinder verstehen, obwohl keiner die Sprache des Anderen kennt!
Bei Radosov befindet sich das 3. Wehr, das aber nur mit zwei kleinen Warntafeln angekündigt wird. Es ist nicht ungefährlich, deshalb unbedingt am Campingplatz anlegen und umsetzen!
Am 3. Reisetag beeindrucken links der Erzgebirgskamm mit knapp 1000m, rechts das Duppauer Gebirge mit ca. 900m hohen Bergen. Wieder eine völlig veränderte, aber sehr eindrucksvolle Landschaft. Im Boot erwarteten uns einige abenteuerliche Stufen, aber ein unfreiwilliges Bad blieb uns auf der ganzen Fahrt erspart.
In Perstejn vor der Pension „Betty“ wartete bereits das Auto des Bootsverleihs und brachte uns bequem wieder nach Loket zurück. Eine unvergessliche Fahrt, bei der wir überwältigende Landschaften sahen, neue Freunde kennenlernten und tolle Erlebnisse hatten, ging zu Ende.

Fussfahrt

Noch ein Wort zu den tschechischen Zeltplätzen:
Sie sind meist sehr rustikal. In Loket und Vojkovice gibt es ein WC und auch eine Waschgelegenheit. Die anderen haben ein Plumpsklo mit Grube. Wasser kann von entfernten Stellen geholt werden. Wir führten eine große Flasche mit Trinkwasser mit, so dass wir uns wenigstens die Zähne putzen konnten. Die Mahlzeiten nahmen wir in Gaststätten unterwegs ein, wo dann auch das „große Geschäft“ erledigt wurde. Wohltuend ist das gute Verhältnis innerhalb der großen Bootswanderfamilie. Abends werden überall Lagerfeuer entfacht und ausgiebig gesungen (nur auf tschechisch, nicht etwa englisch wie in Deutschland). Die Preise sind sehr moderat: 40 Kronen für ein Zelt mit 1 Erwachsenen und 1 Kind. Insgesamt haben uns die dreieinhalb Tage zu zweit ca. 100 € gekostet incl. Bootsmiete und Rücktransport.

Zeltplatz

Text und Fotos: Wolfgang (eliedel, aus Zwönitz)
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