Diabetes:  Alle im Treff Forum Gästebuch
Du bist neu hier?
Mitglied werden


Automatisch einloggen?

Passwort vergessen?
R_gesundheit
Diabetiker haben es im Alltag oft schwer. Ganz normale Dinge können einem Diabetiker manchmal Probleme bereiten. Hier findest Du zahlreiche Tipps, wie Du als Betroffener Dein Leben meisterst.

Rudolf Becker lebt mit Diabetes


Fläschchen mit verschiedenen Arz

1975, das Jahr war ein einziger beruflicher Stress. Es kam, wie es kommen musste, körperlicher Zusammenbruch, Check im Krankenhaus. Am ersten Abend war Chefarztvisite. Ich hörte die Stationsschwester sagen: „Hier haben wir einen erwischt. 495 Zucker!“ Der Arzt sah mich mitleidig an, und ging. Auf meine Frage: „Ist das viel?“ verwies mich die Schwester an die Hausärztin. Diese gab mir aber auch keine Antwort, sondern drückte mir eine Zahlkarte in die Hand. Ich überwies 3 DM und erhielt von Drugofa ein Diät-Rezeptbuch, in dem auf den ersten Seiten ein wenig über die Krankheit gesagt wurde. Die Ärztin empfahl mir, mein Gewicht zu reduzieren und so oft wie möglich zum Zuckertest zu kommen. Also fuhr ich mit Familie in Urlaub, hungerte und nahm ab. Nach einem halben Jahr hatte ich 12,5 kg abgenommen. Brav ging ich zu den Zuckertests und war stolz, dass ich immer 150 hatte.

Anfang 1976 starb meine Hausärztin. Ich wollte mir etwas besonders Gutes tun und suchte einen Internisten auf. Der machte 3 Mal ein Tagesprofil. Meine Werte lagen ständig um 110. Der Internist meinte, Zucker könne man sich auch einbilden. Offenbar hätte ich keinen Zucker. Er empfahl, noch einen Glukosetest zu machen. Danach stand mir aber nicht der Sinn. Noch aus der Praxis rief ich zu Hause an und bestellte eine Kanne Kakao, die ich auch bekam. Nun war es aus mit Diät und Gewichtsabnahme.

1978 hatte ich mal wieder eine Erkältungsgrippe. Da ich einem Freund in Hamburg beim Tapezieren helfen wollte, ging ich zu einem jungen Arzt, der sich bei uns niedergelassen hatte und wollte mir etwas verschreiben lassen. Der Arzt war aber sehr genau. Er fragte mich praktisch von der Wiege an aus. Dabei kam auch zur Sprache, dass ich mir mal eingebildet hatte, zuckerkrank zu sein. Daraufhin musste ich mich einem Zuckertest unterziehen und wieder hatte ich über 400 Zucker. Der Arzt bestellte mich für die kommende Woche und dann begann ein Generalcheck. Es blieb dabei, ich war zuckerkrank. Wie damals üblich, verordnete mir der Arzt eine Tablette Euglucon, täglich. Ich musste neu mit der Diät anfangen und wieder versuchen, Gewicht zu reduzieren. Meine Werte gingen aber nicht weit genug zurück. Also bekam ich 2 Tabletten. In den nächsten Jahren erhöhte sich die Dosis auf 4 Tabletten täglich. Als ich dann die 5. nehmen sollte und noch eine zusätzliche Tablette dazu bekam, wurde ich misstrauisch. Ich besorgte mir Literatur und erkannte, dass 4 Tabletten am Tag die äußerste Dosis waren und die Zusatztablette nur Blähungen verursacht, ohne etwas zu bringen. Außerdem sollte man diese Tabletten nicht länger als 8 – 10 Monate nehmen. Ich nahm sie aber schon fast 10 Jahre. Jetzt drängte ich darauf, in eine Klinik eingewiesen zu werden zur Neueinstellung und zur Schulung. Es dauerte noch Monate, bis ich den Arzt gezwungen hatte, mir eine Einweisung auszustellen .Im September 1988 kam ich in die klinische Abteilung des Diabetes Forschungszentrum an der Uni Düsseldorf. Hier erhielt ich zum ersten Mal eine ordentliche Schulung. Ich wurde auf Insulin umgestellt und auch meine Frau wurde über Diät geschult. Aber zu dieser Zeit war ich schon 13 Jahre unbehandelt, bzw. falsch behandelt worden. Die ersten schweren Folgeschäden waren schon überdeutlich zu erkennen.

Zu Hause begab ich mich zu einem auf Diabetes spezialisierten Arzt. Er war ein Glücksgriff. Dieser Mann hat mich geführt und mir unendlich viel gegeben. Als er in den Ruhestand ging, hat er mich seinem Nachfolger übergeben, bei dem ich bis heute geblieben bin. Regelmäßig wurde ich ins Klinikum Nord der Dortmunder Uni-Klinik zur Nachschulung und immer wieder neuen Einstellung geschickt. Im Laufe der Jahre sind die Behandlungsmethoden der Diabetes laufend geändert worden. Neue Insulins machen, dass Diabetiker fast normal leben und alt werden können. Eine Diät gibt es praktisch nicht mehr. Für bestimmte Fälle gibt es eine Insulinpumpe, die die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse weitgehend nachahmt.

Aus meinem teils falschen und sehr steinigen Weg sollte man lernen, das wichtigste ist, sich von einem Facharzt behandeln zu lassen. Nach der ersten Diagnose muss man sofort eine intensive Schulung machen. Vor dem Insulinspritzen muss man sich nicht fürchten. Es wird zur täglichen Routine wie das Rasieren und Zähneputzen. So kann man schwere Folgeschäden vermeiden oder mindestens sehr lange hinauszögern und eigentlich ein ganz normales Leben führen, wie ein Gesunder.

Diesen Artikel...

weiterempfehlen an:

  bewerten:
(bisher
37
Bewertungen)

Bookmarken bei
Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews